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Duo Sellheim

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Fantasy for Viola and Piano

Duo Sellheim

Label: Musicaphon (Klassik Center Kassel)
Veröffentlicht: 2012

Fantasy for Viola and Piano

REBECCA CLARKE
1886-1979
Sonata (1919)
1 Impetuoso
2 Vivace
3 Adagio-Allegro

ROBERT SCHUMANN
1810-1856
Fantasiestücke op. 73
4 Zart und mit Ausdruck
5 Lebhaft, leicht
6 Rasch und mit Feuer

PAUL HINDEMITH
1895-1963
Sonate op. 11,4 (1919) ("Fantasiesonate")
7 Fantasie
8 Thema mit Variationen
9 Finale (mit Variationen)

ROBERT SCHUMANN

Märchenbilder op. 113
10 Nicht schnell
11 Lebhaft
12 Rasch
13 Langsam, mit melancholischem Ausdruck



Die Ersteinspielung der Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann in der Besetzung Viola - Klavier, gespielt von Katharina und Konstantin Sellheim, gibt durch den besonders warmen Klang der Viola, ihre reiche Farbpalette und die Ähnlichkeit zur menschlichen Stimme der FANTASIE besonders viel Raum. In den Fantasiestücken, ursprünglich 1849 für Klarinette und Klavier komponiert, werden Stimmungen gemalt und Charaktere abgebildet; der Hörer wird von der Viola im fein abgestimmten Dialog mit dem Klavier in die Ferne getragen.

Dabei ist jedes einzelne Stück ein Wegweiser und bedeutet Aufbruch in neue Sphären. Robert Schumann sagte am 17. Juni 1849: "Ach ja von den Schmerzen und Freuden, die die Zeit bewegen, der Musik zu erzählen, dies fühl ich, ist mir vor vielen Andern zuertheilt worden." Katharina und Konstantin Sellheim gehen mit dieser Ersteinspielung weit voraus. In der Besetzung Viola-Klavier nehmen sie als erste ganz im Sinne der romantischen Musikästhetik die Herausforderung an, den Hörer mit der intimen und zugleich berauschenden Gefühlswelt Robert Schumanns über die Wort-Sprache in das Unsagbare zu führen. Wohin dieser Weg außerdem führen kann, ist in den Sonaten von Rebecca Clarke und Paul Hindemith zu hören.

Rebecca Clarke war eine Bratschistin und Komponistin, die, in England geboren, schon früh in die USA übergesiedelt war. 1919 reichte sie diese Sonate beim Kompositionswettbewerb "Coolidge International Prize" in Berkshire (Massachusetts) ein. Rebecca Clarkes Sonate wurde stimmgleich mit einer Sonate für Viola und Klavier von Ernest Bloch ausgewählt und im selben Jahre uraufgeführt. Sie erhielt nur einen 2. Preis, man nahm an, ihr Name sei ein Pseudonym Ernest Blochs. Die Komposition dieser Sonate traute man ihr nicht zu.

Heute sind Rebecca Clarkes Werke selten gespielt und wenig bekannt, obwohl ihre Klangwelt Zuhörer wie Interpreten in ihren Bann zieht.

Spätimpressionistisch geprägt und beeinflusst von fernöstlicher Musik entführt ihre Sonate gleichermaßen auf Volksfeste nach England wie in sphärische Welten. Dunkle, edle und sinnliche Farben verschmelzen mit virtuosen und melodischen Klängen.

Das Duo Sellheim verschafft Rebecca Clarke auf dieser CD-Einspielung erneut Gehör und setzt der Komponistin mit ihrer emotional, harmonisch und rhythmisch komplexen und ihrer in jeder Hinsicht fantasiereichen Sonate ein Denkmal.

Ganz anders als Rebecca Clarke erging es Paul Hindemith. 1919, im Entstehungsjahr der Sonate op. 11 Nr. 4, war er Konzertmeister der Frankfurter Oper, nur zwei Jahre später gelang ihm der Durchbruch als zeitgenössischer Komponist an die Spitze der Avantgarde in Deutschland. Seine Fantasie-Sonate ist ernst und auch ironisch und witzig, die Grundlage seiner Musik ist wie "Ruhig und einfach, wie im Volkslied" einfach und klar, sie entwickelt sich noch in der Sonate zu avantgardistischer Tonkunst. Die Interpreten Katharina und Konstantin Sellheim geben mit ihrem gesamten Klangspektrum Hindemiths Aufbruchsstimmung wieder, die sich, mit aller Einfachheit begonnen, zuletzt "Sehr lebhaft und erregt" ergießt.

Das Jahr 1919 hat auch in anderer Weise eine besondere Bedeutung für das Duo Sellheim: Es ist das Entstehungsjahr der Viola von Romeo Antoniazzi, die Konstantin Sellheim auf dieser Aufnahme spielt.

Abgerundet wird die CD von Robert Schumanns Märchenbildern op. 113. Die vier Märchenbilder für Viola und Klavier gehören zu den letzten Werken des Komponisten. Jedes der vier Stücke ist ein in sich geschlossenes Werk, keines von ihnen hat jedoch einen konkret beschreibenden Titel. Als ursprünglichste der Wort- Erzählformen beschreibt das Märchen Übernatürliches, Verwandlungen und Verzauberungen. Ähnlich wie in den Fantasiestücken geht Robert Schumann auch in seinem Spätwerk mit seiner Musiksprache über die ausschließlich gesprochene Sprache hinaus und sagt mit Tönen, was das Wort nicht vermag.

Leise und introvertiert beginnen die Märchenbilder, treten "lebhaft" und "rasch" aus dem Unbegreiflichen hervor, um zuletzt - gleichermaßen am Ende der Aufnahme - im erneut Leisen, Melancholischen und Ungewissen zu verschwinden. Das Märchenhafte, Fantastische nimmt Gestalt an, wunderbare Begebenheiten werden beschrieben, Zeit und Raum verschmelzen mit Vorstellung und Traum.

Lassen Sie sich von dem dunkel leuchtenden Klang der Viola Konstantin Sellheims und dem stets klar nuancierten und tief empfundenen Klavier Katharina Sellheims entführen in diese fantastische Welt der Märchen, Verzauberungen und Träume.